Fliegen mit Darmverschluss

Es gibt Krankheiten, deren vollständige Problematik sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen lässt. Während etwa Erkrankungen des Atmungssystems die logische Schlussfolgerung zulassen, dass eine veränderte Atmosphäre, wie es beim Fliegen der Fall ist, ein Risiko darstellt, so werden bei einem Darmverschluss die Zusammenhänge nicht so eindeutig klar. Doch warum stellt Fliegen mit Darmverschluss ein Problem dar, unter Umständen sogar ein lebensbedrohendes Problem?

Was ist denn ein Darmverschluss?

Der menschliche Darm ist nicht unser größtes, aber unser längstes Organ. Als Faustformel gilt, dass die Körpergröße mit 4 multipliziert die Darmlänge ergibt. In der Regel erfolgt ein Darmverschluss im Dünndarm, dem ersten, aber auch längsten Abschnitt des Darms und, wie der Name es schon aussagt, der relativ dünn bezüglich seines Durchmessers ist.

In diesem Bereich kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen der Durchgang des Nahrungsbreis aus dem Magen vollständig blockiert werden. Das kann eine Darmverschlingung sein, ein Problem, das häufig bei Kindern auftritt, aber auch Narbengewebe aus einer Blinddarm-Operation, eine Verklemmung durch einen Leistenbruch, oder auch Tumoren sowie chronische Entzündungen können einen Darmverschluss herbeiführen. Daneben gibt es noch den funktionellen Darmverschluss, bei dem die Darmmuskulatur nicht mehr funktioniert.

Mann mit Bauchschmerzen

Ein vollständiger Darmverschluss lässt weder Flüssigkeiten noch feste Stoffe und auch keine Gase mehr durch. Das führt zunächst zu Magenschmerzen sowie Übelkeit und kann in der Folge Koliken auslösen und im schlimmsten Fall wird das Darmgewebe geschädigt oder die Darmwand reißt ein. Doch wo steckt nun das Problem beim Fliegen mit Darmverschluss?

Fliegen mit Darmverschluss – zum Zerreißen gespannt

Wer in ein normales Passagierflugzeug einsteigt, betritt zugleich eine Druckkabine, die dafür sorgt, dass in der üblichen Reiseflughöhe von 10.000 m noch geatmet werden kann. Der Innendruck im Passagierraum eines Jets entspricht in 10 km Höhe dem atmosphärischen Druck in einer Höhe von etwa 2500 m über dem Meer. Für gesunde Menschen ist das völlig ausreichend und auch in Bezug auf den Magen-Darmtrakt absolut kein Problem. Einen Innendruck im Flugzeug herzustellen, wie er auf Meereshöhe oder auch 500 m darüber besteht, ist technisch aufwendig und erhöht das Gewicht des Fliegers, was in der Folge die Auslastung und Reichweite einschränkt und den Verbrauch erhöht.

Besteigt nun eine Person mit Darmverschluss ein Flugzeug, um zum Beispiel die Heimreise anzutreten, kommt es zu einer übermäßigen Ausdehnung der Gase im Magen-Darmtrakt, die sich aufgrund des Verschlusses nicht mehr im Darm verteilen können. Der Luftdruck auf Meereshöhe beträgt 1013 hPa oder 100 %. Auf 600 m Höhe sinkt der Luftdruck bereits um rund 6 %. Auf 2500 m, was dem Kabineninnendruck des Flugzeuges in Reisehöhe entspricht, sind es nur noch 72 %. In der Umkehrung bedeutet dies, dass sich die Gase im Darm um 28 % ausdehnen.

Nun ist es so, dass ein Darmverschluss meist nicht sofort erkannt wird. Es kann mehrere Tage dauern, bis sich ein Patient oder eine Patientin an einen Arzt wendet, immer in der Annahme, es handele sich nur um eine Magenverstimmung. In diesem Zeitraum baut sich bereits ein erheblicher Gasdruck auf und der Darm ist dann so oder so schon übermäßig angespannt. Eine weitere Ausdehnung um ein Viertel des bestehenden Gasvolumens aufgrund des gesunkenen atmosphärischen Drucks kann die Darmwand einreißen und platzen lassen wie ein zu stark aufgeblasener Ballon.

Darum ist vom Fliegen mit Darmverschluss in einem Linienflugzeug abzuraten. Nur unter ärztlicher Aufsicht in einem speziell dafür vorgesehenen Ambulanzflugzeug kann ein Flug sicher durchgeführt werden. Wir von der Ambulanzflug-Zentrale organisieren weltweit die Bereitstellung von medizinischem Begleitpersonal sowie von Ambulanzflugzeugen für die Rückholung von Patienten mit Darmverschluss.

Fliegen mit Darmverschluss mittels Sea-Level-Flug

Ein Darmverschluss kann jederzeit auftreten. Es gibt hierfür keine besondere Risiko- oder Altersgruppe. Es kann also auch im Urlaub oder auf einer Geschäftsreise passieren. Wurde nach einer ärztlichen Untersuchung die Diagnose eines Darmverschlusses bestätigt, geht in der Regel die Empfehlung an den oder die Patientin, nicht zu fliegen, bis der Darmverschluss aufgehoben ist. Bei Personen, die bereits stationär behandelt werden, ist dies obligatorisch. Aber viele Menschen möchten trotzdem gerne schnell nach Hause, aus unterschiedlichen Gründen. Oft fehlt das Vertrauen in das medizinische Können im Gastland und auch das Fehlen der Muttersprache sowie die Sehnsucht nach vertrauter Umgebung mit Freunden und Verwandten können den Heilungsprozess hemmen.   

Sea-Level

Um nun das Risiko bei einem Heimflug zu minimieren, kann dieser mit einem Ambulanzflugzeug durchgeführt werden, dass eine verstärkte Innendruckkabine besitzt. Im Unterschied zum herkömmlichen Passagierflugzeug wird in diesem Flieger der Innendruck auf nur etwa 90 bis 92 % des Normaldrucks abgesenkt. Das entspricht einer Atmosphäre von 600 bis 900 m über dem Meer und wird als Sea-Level-Flug bezeichnet. Je nachdem, wo der oder die Patientin abgeflogen ist, kann sich der innere Gasdruck im Darm also nur um etwa 8 bis 10 % erhöhen. Unter Umständen kann er sogar sinken, wenn zum Beispiel der Abflugort in einem Gebirge liegt. In jedem Fall steht während des gesamten Fluges ein speziell dafür ausgebildeter Arzt bereit, um in einer Krisensituation medikamentös oder sogar operativ einzugreifen. Moderne Ambulanzflugzeuge können nach Bedarf so ausgestattet werden, dass sie sogar einer Intensiv-Station entsprechen. 

Bezahlt die Versicherung das Fliegen mit Darmverschluss?

Die Rückholung von im Ausland erkrankten Personen, die eine besondere medizinische Betreuung während der Heimreise benötigen, zählt nicht zu den Standard-Leistungen von Versicherungen oder Krankenkassen. Die Versicherungen bieten aber Reisekrankenversicherungen mit Rückholoption an. Besteht vonseiten des Patienten oder eines direkten Angehörigen der Wunsch nach einer Rückholung und sehen die betreuenden Ärzte unter der Prämisse eines Sea-Level-Fluges keine Hindernisse, so kann die Versicherung die Kosten übernehmen, wenn eine solche Police abgeschlossen wurde. Es kann aber auch sein, das sie die Kostenübernahme ablehnt, weil sie die medizinische Notwendigkeit nicht als gegeben ansieht. Dieser juristische Trick lässt sich nur umgehen, wenn vor Abschluss der Versicherung geprüft wird, ob in den AGBs „medizinisch notwendig“ oder „medizinisch sinnvoll“ steht. Bei letzterer Formulierung muss sie die Kosten übernehmen, wenn eine ärztliche Bescheinigung über die Flugtauglichkeit vorliegt.

Was kostet ein Sea-Level-Flug mit einem Darmverschluss-Patienten? 

Diese Frage ist wesentlich schwerer zu beantworten als die Leistung einer Unterschrift unter eine Versicherungspolice. Ein Ambulanzflug ist weder mit einem Linienflug noch mit einem Charterflug vergleichbar. Es geht darum, eine erkrankte Person mit akuten Symptomen meist über mehrere Tausend Kilometer sicher zu transportieren und dabei deren Gesundheitszustand zu überwachen. Es ist folglich eine sehr individuelle Angelegenheit, bei der es darum geht, eine Vielzahl von Vorgängen, Abläufen, Handlungen, Geräten, Maschinen sowie Personen zu organisieren und dies in sehr kurzer Zeit. Genauso individuell ist die Kostenfrage, die wir von der Ambulanzflug-Zentrale gerne im persönlichen Gespräch anhand der jeweiligen Faktenlage beantworten. Wir können hierbei auf unsere langjährige Erfahrung und unser ausgereiftes Know-how zurückgreifen, was die Kosten erheblich senkt.

Besser mit der Ambulanzflug-Zentrale beim Fliegen mit Darmverschluss

Die Organisation eines Sea-Level-Fluges erfordert einen entsprechenden Kenntnisstand und ein gut ausgebautes Netzwerk entsprechender Personen. Von der Crew für das Flugzeug sowie dessen Terminierung, bis zum Kontakt vor Ort, um in der Landessprache alles Notwendige vorzubereiten, wobei dies nur ein paar von einer ganzen Reihe an Punkten sind, die es abzuarbeiten gilt und dies so schnell wie möglich, um den oder die Patientin nicht unnötig warten zu lassen. Wir von der Ambulanzflug-Zentrale machen das, und zwar seit vielen Jahren.

Haben Sie noch Fragen?

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie ein Ambulanzflug abläuft, empfehlen wir Ihnen einen Blick in unsere FAQ.

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