Medizinische Luftevakuierung

Ist es vorstellbar, dass ein Gebäude, in dem sich 50.000 Menschen aufhalten, innerhalb von rund fünf Minuten geräumt oder evakuiert werden kann? Die Antwort auf diese Frage steht in der italienischen Hauptstadt Rom und wurde vor 1940 Jahren nach achtjähriger Bauzeit mit einer hunderttägigen Feier eröffnet. Das Kolosseum in Rom war und ist bis heute das größte Amphitheater der Welt.

Auch wenn in diesem Theater unvorstellbar grausame Vorstellungen gegeben wurden, die tausende Menschen- und Tieropfer forderten, so ist es bis heute das architektonische Vorbild, wie ein Gebäude so gebaut werden kann, das es sich im Bedarfsfall schnell evakuieren lässt. Die damaligen Architekten gaben dem Bauwerk 80 Tore und legten die Tribünen für die Zuschauer so günstig an, dass tatsächlich alle Menschen darin innerhalb von fünf Minuten raus konnten und dies bei einem maximalen Fassungsvermögen von 50.000 Personen.

Die Prämisse für eine derart schnelle Evakuierung ist natürlich, dass die darin befindlichen Menschen gesund sind und sich auf eigenen Beinen fortbewegen können. Ganz anders ist dies bei einer medizinischen Luftevakuierung.

Was ist unter einer medizinischen Luftevakuierung zu verstehen?

Medizinische Luftevakuierung

Nach heutigem Verständnis bedeutet die medizinische Luftevakuierung die geplante Räumung eines Gebietes oder auch nur eines beziehungsweise mehrerer Gebäude, bei der die betroffenen Menschen mittels Luftfahrzeugen aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich gebracht werden. Dabei grenzt sich der zu evakuierende Personenkreis in der Regel auf kranke oder verunfallte Personen und das zur Betreuung notwendige medizinische Personal ein, die nicht oder kaum in der Lage sind, selbständig das Räumungsgebiet zu verlassen.

Der Begriff Luftevakuierung beinhaltet hierbei eine Besonderheit, die darauf hinweist, dass die Evakuierung über den Land- oder den Seeweg entweder nicht möglich oder der Zeitraum zu kurz ist, um den Gefahrenbereich rechtzeitig zu verlassen. Zusätzlich kann es sich um Patienten handeln, die zwar transportiert werden können, bei denen die Länge des Transports jedoch so kurz wie möglich gehalten werden muss, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Grundsätzlich ist unter einer medizinischen Luftevakuierung die Verbringung in den nächstmöglichen sicheren Standort zu verstehen.

Unter welchen Umständen erfolgt eine medizinische Luftevakuierung?

Es bestehen unterschiedliche Voraussetzungen bezüglich der medizinischen Luftevakuierung. Zum einen kann eine medizinische Luftevakuierung behördlich oder militärisch angeordnet sein und wird dann in der Regel von darauf spezialisierten Truppen durchgeführt. Die deutsche Bundeswehr unterhält aktuell vier sogenannte MedEvac Flugzeuge für den nationalen und internationalen Einsatz sowie einen Großraum-Rettungshubschrauber.

Weit häufiger erfolgt die medizinische Luftevakuierung auf regionaler Ebene unter Nutzung ziviler Luftfahrzeuge. Die Gründe für eine medizinische Luftevakuierung können sehr unterschiedlich sein:

  • Brände
  • Erdbeben
  • Vulkanausbrüche
  • Unwetter
  • Unruhen
  • Bombenräumung
  • Überschwemmungen
  • Epidemien
  • Transport- oder Fabrikationsunfälle mit Chemikalien

Während beispielsweise in Deutschland, der Schweiz oder Österreich eine sehr gute zivile und behördlich gesteuerte Rettungs-Infrastruktur besteht, ist dies in vielen anderen Ländern dieser Erde nicht der Fall. Nicht selten sind die Behörden vor Ort kaum in der Lage oder nicht gewillt, eine medizinische Luftevakuierung durchführen zu lassen. Es gibt jedoch meist private Organisationen und Unternehmen wie die Ambulanzflug-Zentrale, die für solche Fälle ihre Luftfahrzeuge einsetzen.

Wann übernimmt die Versicherung die Kosten für eine medizinische Luftevakuierung?

Kosten für Medizinische Luftevakuierung

Wer als Reisender im Ausland unterwegs ist und gerade medizinisch behandelt wird, zählt in der Regel bei den örtlichen Behörden nicht zu den priorisierten Personen für eine medizinische Luftevakuierung. Sehr oft fehlen gerade in sehr armen Ländern die Kapazität und die entsprechend ausgestatteten Luftfahrzeuge. Allerdings greift auch eine vor der Reise abgeschlossene Auslandskrankenversicherung mit der Option der Auslandsrückholung in Falle einer medizinischen Luftevakuierung nicht.

Eine sogenannte MedEvac ist üblicherweise nicht Bestandteil der Leistungen in der Auslandskrankenversicherung. Dazu braucht es eine gesonderte Versicherung, die für die Kosten der medizinischen Evakuierung aufkommt. MedEvac-Versicherungen werden nicht pauschal abgeschlossen, sondern meist für eine genau definierte Region, wobei neben Einzelpersonen auch ganze Gruppen versichert werden, etwa Mitarbeiter eines Unternehmens. Sie beinhaltet die Kostenübernahme für den Transport aus der Klinik in der bezeichneten Region in die nächstgelegene sichere Klinik. Von dort wiederum kann die normale Auslandsrückholung stattfinden.

Mit welchen Verkehrsmitteln erfolgt eine medizinische Luftevakuierung?

Die Frage, mit welchem Luftfahrzeug die medizinische Luftevakuierung stattfindet, hängt sehr stark von der vorhandenen beziehungsweise funktionierenden Infrastruktur und der Anzahl der zu evakuierenden Personen ab. Je nachdem stehen hierfür folgende Transportmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Helikopter
  • Linienflugzeug
  • Ambulanzflugzeug

Der Helikopter überzeugt durch seine Flexibilität bezüglich Start und Landung. Er muss aber nicht immer die erste Wahl sein, denn selbst Großraumhelikopter besitzen nur eingeschränkte Platzkapazitäten und auch die Reichweite ist nicht sonderlich hoch.

Funktioniert der normale zivile Luftverkehr in der Region noch, kann auch ein Linienflugzeug zur medizinischen Luftevakuierung eingesetzt werden. Die meisten Passagiermaschinen lassen sich bei Bedarf recht schnell zu fliegenden Ambulanzen umbauen.

Das Ambulanzflugzeug ist im Grunde das ideale Mittel zur medizinischen Luftevakuierung. Die größten Vorteile:

  • Eine vorhandene medizinische Grundausstattung, die Bedingungen wie auf einer modernen Intensivstation ermöglicht und bei Bedarf sehr kurzfristig erweiterbar ist.
  • Sehr kurze Lande- und Startstrecke und je nach Typ auch auf unbefestigten Pisten einsetzbar.
  • Sehr schnell und mit hoher Reichweite und Flughöhe ausgestattet.

Eine medizinische Luftevakuierung funktioniert am besten, wenn sich so früh wie möglich darauf vorbereitet wird und die Planung nicht erst im Ernstfall beginnt. Wer als Unternehmer beispielsweise Mitarbeiter in potenzielle Krisenregionen entsendet, sollte bereits vor der Entsendung Vorsorge bezüglich der medizinischen Luftevakuierung getroffen haben. Die Ambulanzflug-Zentrale ist hierfür der genau richtige Partner.

Kontaktieren Sie uns

Zögern Sie nicht, im Bedarfsfall oder auch zur Vorabinformation Kontakt mit uns aufzunehmen. Gerne beraten wir Sie schon im Vorfeld, wenn Sie beispielsweise einen Unternehmenseinsatz in einer Krisenregion planen. Wir erstellen Ihnen gerne schon vorbeugend einen Plan für Ihre medizinische Luftevakuierung, damit Sie im Ernstfall vorbereitet sind.

Sie erreichen unser erfahrenes, internationales Team täglich rund um die Uhr:

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