Fliegen mit Long-COVID / Post-Covid

Ein gewisser Prozentsatz der Patienten, die eine Erkrankung mit dem Coronavirus überstanden haben, leiden an der Folge am Long-COVID-Syndrom bzw. Post-COVID-Syndrom. Die Definition dieser Erkrankungen variiert ebenso wie die Symptome. Doch unabhängig von definitorischen Spitzfindigkeiten stellt sich für viele Patienten mit Long- bzw. Post-COVID die Frage, ob sie für die Reise in eine Reha-Einrichtung oder in den nächsten Urlaub einen Flug antreten können, ohne dass gesundheitliche Probleme drohen. Diese Frage möchten wir für Sie klären.

erschöpfter Patient

Was ist der Unterschied zwischen Long-COVID und Post-COVID?

Die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Begriffen ist, dass es um Symptome geht, die sich noch lange nach der eigentlichen Erkrankung mit dem Coronavirus zeigen. Laut einem Vorschlag des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) spricht man bei Beschwerden ab vier Wochen nach der Infektion von Long-COVID, ab zwölf Wochen dann von Post-COVID. Natürlich sind hier nur Beschwerden abgedeckt, die durch die Infektion hervorgerufen wurden.

Der Vorschlag des NICE ist international anerkannt und wird deshalb in vielen Ländern angewendet – auch in Deutschland. In der medialen Berichterstattung wird dagegen oft nur einer der beiden Begriffe gebraucht, da sich beide Krankheiten nur durch die zeitliche Distanz zur Corona-Infektion unterscheiden.

Welche Symptome sind möglich?

Die Symptome von Long- bzw. Post-COVID sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Sie können selbst bei Patienten mit mildem Corona-Verlauf nachträglich auftreten. Dabei kann es sich sowohl um neue Beschwerden als auch die Verschlimmerung bestehender chronischer Probleme gehen. Nach aktueller Studienlage sind 203 Beschwerden bekannt, die natürlich nicht alle bei jedem Patienten auftreten.

Von Kopfschmerzen bis zu einem Taubheitsgefühl im Bein kann nahezu jedes Körperteil betroffen sein. Gedächtnisprobleme, Lungen- oder Herzbeschwerden, Haarausfall oder Verdauungsstörungen zählen ebenfalls zu den denkbaren Manifestationen.

Für das Fliegen problematische Long-COVID-Symptome

Natürlich ist nicht jedes Symptom von Long- oder Post-COVID ein Problem, wenn sie eine Flugreise antreten wollen. Beispielsweise ist Haarausfall selbstverständlich kein Hinderungsgrund. Einige der wichtigeren Symptome, die während eines Flugs Schwierigkeiten bereiten können, möchten wir Ihnen ohne Anspruch auf Vollständigkeit vorstellen.

Kurzatmigkeit und andere Lungenprobleme

Mann mit Lungenproblemen

Während eines Linienflugs wird auch innerhalb des Flugzeugs die Luft dünner: Zwar herrscht in der Passagierkabine ein Luftdruck, der „nur“ den Verhältnissen auf ca. 2.500 Metern Höhe entspricht, doch auch daran muss sich der Körper anpassen. Bei gesunden Patienten beschleunigt sich die Atmung ein wenig, damit die Lunge weiterhin ausreichend Sauerstoff aufnimmt.

Wer aber aufgrund von Long-COVID unter Kurzatmigkeit oder anderen Problemen mit der Lunge leidet, kann womöglich seine Atmung nicht mehr ausreichend beschleunigen und erhält dadurch nicht genügend Sauerstoff. Ein regulärer Flug unter diesen Umständen wäre äußerst gefährlich, zum Beispiel droht eine Hypoxie.

Ohrenprobleme

Jeder Fluggast kennt das charakteristische Knacken im Ohr, wenn die Ohrtrompete den Druckausgleich herstellt und dadurch für Anpassung an den veränderten Luftdruck sorgt. Wer im Rahmen von Long-COVID unter Ohrenschmerzen oder Schwindelgefühl leidet, sollte allerdings vorsichtig sein. Bei Ohrproblemen ist es möglich, dass dieser Druckausgleich aufgrund von Schwellungen nicht mehr funktioniert. Dies hat zur Folge, dass sich die Ohrenschmerzen während des Flugs deutlich verschlimmern, so dass auch Schäden am Trommelfell möglich sind.

Das bedeutet nicht, dass ein Linienflug bei jedem Ohrenproblem mit COVID-Bezug ausgeschlossen ist. Allerdings sollten Sie diese Symptome keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und sie immer vor dem Flug mit einem Arzt abklären.

Magen- und Darmprobleme

Magen-Darm-Probleme

Auch Übelkeit und Durchfall zählen zu möglichen Symptomen von Long-COVID. Da es sich nicht um eine ansteckende Magen-Darm-Erkrankung handelt, ist ein Linienflug grundsätzlich möglich. Allerdings sollten Sie daran denken, dass ein Flugzeug nicht über sonderlich viele Toiletten verfügt und diese womöglich genau dann besetzt sind, wenn Sie sie am dringendsten brauchen.

Darüber hinaus gehen Übelkeit und Durchfall mit einem erhöhten Flüssigkeitsverlust einher. Im schlimmsten Fall können Sie während eines Flugs dehydrieren, denn auch die trockene Luft trägt dazu bei, dass Sie im Flugzeug erhöhten Flüssigkeitsbedarf haben. Wenn der Magen aber nicht mitspielt, können Sie den Flüssigkeitsverlust nicht ausgleichen. Letztlich ist ein Linienflug unter diesen Umständen zwar möglich, aber nicht empfehlenswert.

Müdigkeit und Erschöpfung

Ein Linienflug ist ohnehin schon eine anstrengende Angelegenheit: Sie müssen zunächst zum Flughafen gelangen, stehen dort in verschiedenen Warteschlangen, bevor Sie dann endlich im Flugzeug Platz nehmen dürfen. Nach der Landung müssen Sie sich an der Gepäckausgabe durchschlagen und dann geht es weiter zu Ihrem Reiseziel.

Wenn Sie ohnehin schon unter Müdigkeit und Erschöpfung leiden, sollten Sie zumindest bei vermeidbaren Flugreisen auf die Strapazen verzichten. Bei unverzichtbaren Flügen sollten Sie zumindest nicht ohne Begleitung reisen, damit Sie nicht alle Anstrengungen ohne Hilfe bewältigen müssen.

Alternativen zum regulären Linienflug

Wenn ein regulärer Linienflug wegen Long-COVID nicht möglich oder nicht empfehlenswert ist, stehen Ihnen auch andere Flugoptionen zur Verfügung.

Privatjet

Innenraum eines Privatjets

In einem Privatflugzeug gehen Sie dem Stress eines Linienflugs zu großen Teilen aus dem Weg: Sie können auf jeder Strecke einen Direktflug buchen und damit Umsteigeverbindungen aus dem Weg gehen. Der Check-In am General Aviation Terminal ist deutlich schneller und unkomplizierter und die Startzeit können Sie frei wählen. Nicht zuletzt können Sie auch kleinere Regionalflughäfen nutzen und damit oft näher an Ihrem Reiseziel landen.

Diese Eigenschaften machen einen Privatjet zu einer guten Alternative, wenn Sie aufgrund von Long-COVID nur wenig belastbar, aber ansonsten gesund sind. Die Reise im Privatflugzeug ist deutlich weniger strapaziös, so dass Sie ohne unnötige Belastungen Ihr Ziel erreichen.

Medizinisch begleiteter Linienflug

Wenn Sie für Ihren Linienflug medizinische Begleitung wünschen, kann Ihnen ein Medical Escort zur Seite gestellt werden. Hierbei handelt es sich um einen Arzt oder Rettungssanitäter, der sich während des Flugs um Sie kümmert. Dabei können Sie den Flug sitzend in der Business Class oder liegend auf einer Patientenliege in der Economy Class antreten.

Grundvoraussetzung ist, dass Sie gesund genug für einen Linienflug sind. Probleme, die sich durch den Linienflug verschlechtern würden, lassen diese Art der Reise nicht zu. Die letzte Entscheidung über Ihre Flugfähigkeit liegt bei der Airline selbst. Hierfür müssen Sie einen medizinischen Bericht zur Verfügung stellen oder ein entsprechendes Formular von Ihrem behandelnden Arzt ausfüllen lassen. Die Fluggesellschaft benötigt 1-2 Tage für die Prüfung und trifft dann ihre Entscheidung.

Ambulanzflug

Innenraum eines Ambulanzflugzeugs

Wenn Ihre Symptome einen Linienflug unmöglich machen oder Sie einfach auf Nummer sicher gehen möchten, ist ein Transport im Ambulanzflugzeug meist Ihre beste Wahl. Hier kümmert sich ein erfahrener Flugarzt während des gesamten Flugs um Sie und kann dabei auf Ausrüstung zurückgreifen, wie sie auch auf einer modernen Intensivstation vorzufinden ist.

Zusätzlich bietet ein Ambulanzjet die volle Flexibilität eines Privatflugs: Es stehen Ihnen zahlreiche Kleinflughäfen ebenso zur Verfügung wie die großen, internationalen Airports. Zudem richtet sich die Abflugzeit nach Ihrem Bedarf, nicht nach vorgefertigten Flugplänen.

Jetzt Kontakt aufnehmen

Wir organisieren bei Bedarf Ihren Flug mit Long- bzw. Post-COVID und sorgen für eine medizinisch sichere Reise. Unser erfahrenes Team ist täglich rund um die Uhr für Sie erreichbar. Kontaktieren Sie uns:

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