In Algerien ins Krankenhaus gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Das algerische Gesundheitssystem
  2. In ein algerisches Krankenhaus ohne Auslandskrankenversicherung gehen
  3. In ein algerisches Krankenhaus mit Auslandskrankenversicherung gehen

Algerien war einst das Reich der Numidier, eines Reitervolks, das zu den Berbern Nordafrikas gehörte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebiet von unterschiedlichen Heeren erobert und die Numidier in die verschiedenen Armeen integriert. Sie kämpften für Karthago genauso wie später für Rom.

Im 7. Jahrhundert erfolgte die Islamisierung Algeriens durch die Araber und die Berber wurden zur Minderheit. Vom 16. bis in das 19. Jahrhundert war die algerische Küste die Heimat der Barbaresken-Piraten, bis Frankreich im Jahr 1830 eine Invasion in das Land startete, die letztlich zur Kolonialisierung führte. Erst im Jahr 1962, nach dem blutigen Algerienkrieg Frankreichs erfolgte die Unabhängigkeit des Landes.

Algerien

Doch bis heute kann in Algerien weder von Demokratie noch von friedlichen Zuständen die Rede sein. Für Algerien geben praktisch alle EU-Länder Reisewarnungen heraus, die jährlich erneuert werden. Urlaubs-Tourismus ist faktisch nicht möglich oder mit hohen Risiken verbunden. Der größte Teil der Ausländer in Algerien hält sich dort aufgrund geschäftlicher Angelegenheiten oder als Mitglieder von Hilfsorganisationen auf.

Das algerische Gesundheitssystem

Die medizinische Behandlung der Bevölkerung wird vom Staat finanziert. Hauptsächlich basiert die Gesundheitsversorgung auf sogenannten Gesundheitszentren. Jedoch gibt es auch verschiedene staatliche Kliniken und staatlich zugelassene Arztpraxen. Daneben gibt es noch den privaten Sektor in der medizinischen Versorgung. Dabei handelt es sich vor allem um privat betriebene Kliniken in den Großstädten des Landes.

Das Niveau der staatlichen Gesundheitsversorgung liegt weit unterhalb des EU-Standards. Zwar mangelt es nicht an Personal, jedoch an dessenAusbildung und auch an medizinisch-technischen Geräten sowie der weiteren Ausstattung und Infrastruktur in den Krankenhäusern. In den südlichen Sahara-Gebieten Algeriens, die teilweise Kriegsgebiet sind, ist die medizinische Versorgung noch schlechter. Die privat betriebenen Kliniken in Großstädten wie Algier oder Oran bewegen sich auf europäischem Niveau.

In ein algerisches Krankenhaus ohne Auslandskrankenversicherung gehen

Krankenhaus AlgerienEs ist eher unwahrscheinlich, dass sich ein/e Ausländer/in aus einem Industriestaat in Algerien aufhält und nicht über eine Auslandskrankenversicherung verfügt. Da es sich fast immer um Geschäftsreisende, Diplomaten oder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen handelt, ist deren Krankenversicherung gewährleistet.

Obwohl kostenlose Behandlungen möglich sind, werden etwa Europäer, Nordamerikaner oder Japaner grundsätzlich als wohlhabend eingestuft, sodass die Behandlungskosten geltend gemacht, die in bar zu entrichten sind. Geldautomaten zur Abhebung von Barmitteln finden sich beispielsweise in der Nähe von Luxushotels in den Großstädten.

Natürlich gibt es auch in Algerien den Faktor „Nächstenliebe“, jedoch nicht in Privatkliniken. In einem staatlichen Krankenhaus ist diese eher zu finden, allerdings herrschen in Algerien bis heute speziell gegen Franzosen, aber auch gegen andere westlich aussehende Personen gewisse Ressentiments.

Es ist durchaus ein Glücksspiel mit hohem Risiko, sich in Algerien ohne Bargeld oder Auslandskrankenversicherung eine Krankheit zuzuziehen, die eine stationäre Behandlung nötig macht.

Ein weiterer negativer Faktor ist die Verständigung: Arabisch ist die Amtssprache, daneben wird Französisch gesprochen. Englisch wird mitunter von jüngeren Personen gesprochen, aber eher nur in den Großstädten und dann auch nur rudimentär.

Interessanterweise ist es tatsächlich eher möglich, einen oder eine deutschsprechende Algerierin zu treffen, denn in den Schulen des Landes ist Deutsch die meist gewählte Auslandssprache und viele Familien haben zumindest ein Mitglied, das einmal in Deutschland arbeitete und wieder zurückgekehrt ist.

In ein algerisches Krankenhaus mit Auslandskrankenversicherung gehen

Wer nicht durch den Arbeitgeber über eine Auslandskrankenversicherung verfügt, sollte unbedingt vor Antritt der Reise nach Algerien eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Im Bedarfsfall steht so der Behandlung in einer Privatklinik in Algerien nichts im Wege. Es gibt vor allem in der Hauptstadt Algier allgemeinmedizinische Privatkliniken sowie verschiedene Fachkliniken. Der oder die Patientin darf hier einen Standard erwarten, der dem der mitteleuropäischen Klinken entspricht. Dazu gehört, dass zumindest Englisch oder in seltenen Fällen auch Deutsch gesprochen wird bzw. mindestens eine deutschsprachige Person zur Verfügung steht.

Die meisten der Privatkliniken haben mit den großen europäischen und nordamerikanischen Versicherungskonzernen Verträge abgeschlossen, sodass die Behandlungskosten direkt mit diesen abgerechnet werden und keine Vorkasse notwendig ist. Das wiederum ist der hohen Zahl an Geschäftsreisenden in Algerien zu verdanken. Vor Abschluss einer Auslandskrankenversicherung für das Reiseziel Algerien ist es wichtig, zu erfahren, ob und welche algerischen Kliniken vertraglich an die jeweilige Versicherung gebunden sind. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, dass in der Police die Kostenübernahme einer Auslandsrückholung enthalten ist.

Sicher verfügt Algerien wie sein westliches Nachbarland Marokko über reizvolle Strände und schöne Landschaften, touristisch gesehen ist es jedoch ein weitgehend unbekanntes Land, auch was die Menschen angeht. Im Zweifel oder besser im Fall eines nicht zu vermeidenden Klinikaufenthalts werden mit Sicherheit die meisten Patienten/innen die Verlegung in ein Krankenhaus in der Heimat vorziehen. 

Zurück zur Übersicht