In Algerien zum Arzt gehen

Algerien, das nordafrikanische Land am Mittelmeer besteht zu gut 80 Prozent aus praktisch unbewohnbarer Wüste. Gerade einmal zwei Prozent der Fläche weist einen Waldbestand auf. Mit wenigen Ausnahmen der Wüstenoasen lebt der Großteil aller Algerier an der Mittelmeerküste und einem durch das Atlasgebirge begrenzten Streifen im Norden. Das Gebirge ist eine Wetterscheide, die das Vordringen der südlich gelegenen Sahara verhindert und an deren Nordhang genügend Regen fällt, um Viehzucht und Landwirtschaft zu betreiben.

Mittelmeerküste Algerien

Politisch befindet sich Algerien praktisch seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962 in einer schwierigen Phase. Auch die im Jahr 1988 ausgerufene und 1996 novellierte Verfassung änderte bis heute nichts daran, dass Algerien de facto eine Parteien-Diktatur ist. Urlaubs-Tourismus findet aufgrund der brisanten innenpolitischen Lage nicht statt. Lediglich Geschäftsreisende besuchen das Land, welches seine Einnahmen überwiegend durch Erdöl- und Erdgasförderung realisiert.

Wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung des Landes aus?

Eigentlich besteht für alle Algerier der Zugang zu kostenloser Gesundheitsversorgung, jedoch ist die medizinisch-technische und medikamentöse Ausstattung sowie die fachliche Ausbildung vom europäischen Standard weit entfernt. Während in den Städten an der Mittelmeerküste die Arztdichte relativ hoch ist, besteht in den riesigen Wüstengebieten südlich des Atlasgebirges eine extreme Unterversorgung.

Auch Reisende aus der EU oder anderen Ländern können theoretisch die kostenlose Behandlung in Anspruch nehmen, in der Realität jedoch müssen alle Leistungen in bar bezahlt werden.

Immerhin akzeptieren etwa deutsche Krankenkassen Rechnungen von algerischen Medizinern und Krankenhäusern, wenn diese in einer beglaubigten Übersetzung zur Erstattung vorgelegt werden.

Ein großes Problem stellt die Verständigung dar: Ohne gute Französischkenntnisse ist die Kommunikation in Algerien sehr schwierig. Englisch als allgemeine Weltsprache ist in Algerien nicht üblich. Reisenden wird empfohlen dringend notwendige Medikamente in ausreichenden Mengen mitzuführen. Die Regierung Algeriens gibt für die gesundheitliche Versorgung seiner Bürger/innen pro Kopf und Jahr rund 150 US-Dollar aus. Zum Vergleich, in Deutschland lagen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2018 bei 4.930 Euro pro Person.

Ohne Auslandskrankenversicherung in Algerien zum Arzt gehen?

Arzt mit Dokumenten

Wie bereits erwähnt, sind gute Kenntnisse der französischen Sprache während eines Algerienaufenthaltes wichtig. Erst recht, wenn es darum geht, einem algerischen Arzt zu erklären, welche Symptome vorliegen. Im Notfall sollte der Service eines Dolmetschers in Anspruch genommen werden, um die Sprachbarrieren zu überwinden. In den Großstädten wie der Hauptstadt Algier oder auch in der zweitgrößten Stadt Oran und den Städten Constantine, Annaba oder Blida finden sich sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte unterschiedlicher Ausrichtung. Die Behandlungskosten werden grundsätzlich in bar bezahlt.

Wie teuer eine ärztliche Behandlung eines oder einer Reisenden in Algerien wird, lässt sich nicht pauschal benennen. Grundsätzlich sind die Aufwendungen für den Lebensunterhalt und auch für die medizinische Versorgung in Algerien geringer als in Deutschland. Es bestehen jedoch für frei praktizierende Ärzte in Algerien keine Vorgaben zur Preisgestaltung, da die Leistungen für die Einheimischen kostenlos sind, wenn es sich nicht um eine ausdrücklich privat betriebene Arztpraxis handelt. Insofern können die Honorare von Arzt zu Arzt erheblich abweichen.

Mit einer Auslandskrankenversicherung in Algerien zum Arzt gehen?

Fast alle Ausländer halten sich aus geschäftlichen Gründen zeitweilig in Algerien auf. Oft sind dies Mitarbeiter großer Firmen aus dem Energiesektor. Diese Firmen haben in der Regel Ärzte oder auch Krankenhäuser in Algerien, mit denen sie vertraglich verbunden sind, um die medizinische Versorgung ihrer Mitarbeiter während der Reise zu gewährleisten.

In der Regel erfolgt in solchen Fällen die Abrechnung der Arztkosten direkt über die Auslandskrankenversicherung. Andernfalls muss der oder die Patientin in Vorkasse gehen und die Rechnung zur Erstattung bei der Auslandskrankenversicherung einreichen. Eine ausreichend hohe Menge an Bargeld ist dementsprechend vorzuhalten.

In den Großstädten finden sich genügend Geldautomaten, die jedoch zum großen Teil nur VISA- oder Mastercard-Kreditkarten akzeptieren. Girocards oder V-Pay-Karten werden in Algerien nicht oder nur sehr selten akzeptiert. Die direkte Bezahlung des Arzthonorars mit der Kreditkarte ist in den allermeisten Fällen nicht möglich. Bargeldloses Zahlen ist in Algerien mit Ausnahme der großen internationalen Hotels oder den Duty Free Geschäften an Flughäfen praktisch unbekannt.

Ein wichtiger Punkt beim Abschluss einer Auslandskrankenversicherung vor der Reise nach Algerien ist die Option der Auslandsrückholung bei stationärem Aufenthalt aufgrund Krankheit oder Unfall. Das gewährleistet die zügige Verlegung vom algerischen Krankenhaus in die Heimat und ist damit immer anzuraten.

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