In Dänemark ins Krankenhaus gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie funktioniert das dänische Gesundheitssystem?
  2. Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung
  3. Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung

Dänemark zählt zu den glücklichsten Ländern der Welt. Dass die Menschen gerade in den skandinavischen Ländern so zufrieden sind mit ihrem Leben, hängt keineswegs mit dem Wetter zusammen, das in diesen Breitengraden nicht unbedingt als karibisch bezeichnet werden kann. Niedrige Steuersätze sind es auch nicht. Die Steuersätze in den skandinavischen Ländern sind die höchsten der Welt.

Kopenhagen

Begründet wird die Zufriedenheit in den Umfragen, welche die Grundlage zur Erstellung des Zufriedenheitsindex darstellen, hauptsächlich mit der sozialen Sicherheit im Bereich Wohnen, Leben und Arbeit, die Länder wie Dänemark, Finnland oder Schweden ihren Bürgern bieten. Dazu gehört auch ein gut ausgebautes und gut funktionierendes Gesundheitssystem. 

Wie funktioniert das dänische Gesundheitssystem?

Das lokale Gesundheitssystem und damit die Krankenhauslandschaft in Dänemark unterscheiden sich grundsätzlich von der in Deutschland. Zum einen gibt es nur sehr wenige Privatkliniken. Zum anderen gibt es deutlich weniger staatliche Kliniken oder Krankenhäuser als in Deutschland. Dabei ist die stationäre Krankenversorgung keineswegs schlechter, nur wird der Fokus bezüglich der Behandlungen auf die ambulante Versorgung ausgerichtet. So liegen dänische Patienten nur etwa halb so lange im Krankenhaus wie Patienten in deutschen Krankenhäusern.

Notfallambulanzen und Allgemeinmediziner in Arztpraxen sind für Notfälle sehr gut ausgestattet, weshalb die Kritik, dass die Anfahrtswege zu den Krankenhäusern zu lang sind, nicht wirklich greift. Die Ambulanzfahrzeuge sind sogar mit EKG-Geräten ausgestattet und deren Ergebnisse werden direkt per Internet an das jeweilige Krankenhaus gesandt.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Kompetenzverteilung des Klinikpersonals. Während in Deutschland die medizinische Betreuung der Patienten durch das Pflegepersonal sehr eingeschränkt ist und selbst für eher unwichtige Handlungen einer der behandelnden Ärzte hinzugezogen werden muss, darf dänisches Pflegepersonal weit mehr, teilweise dürfen sie sogar selbstständig Medikamente verordnen. Dazu gehört natürlich eine fortlaufende medizinische Schulung. Interessant ist auch, dass neue medizinische Gerätschaften hinsichtlich ihres Nutzens und ihres Kosteneffektes von einer staatlichen Stelle geprüft werden und nur dann eine Zulassung erhalten, wenn sie wirklich besser sind als bereits vorhandene Geräte.

Krankenhaus in Dänemark

Auch in Dänemark ist trotzdem nicht alles perfekt: So kostet der Bau der neuen Superkrankenhäuser mehr als geplant und es wird über Kürzungen im Gesundheitswesen gesprochen, bis hin zu Entlassungen. Ein weiteres Problem sind recht lange Wartelisten für geplante Operationen. Hier wurde aber eine recht pragmatische Lösung gefunden. Das dänische Gesundheitsamt schloss mit privaten Kliniken in Dänemark, aber auch mit Krankenhäusern in den Nachbarländern Deutschland und Schweden Verträge ab, so dass anstehende Operationen dort durchgeführt und vom Staat bezahlt werden. In Anspruch genommen werden kann dies, sobald die Wartezeit im dänischen staatlichen Krankenhaus einen Monat überschreitet.

Wie bereits erwähnt, wurden in den letzten Jahren vermehrt Superkrankenhäuser gebaut, die Ärzte aus fast allen medizinischen Fachrichtungen unter einem Dach vereinen. Sobald sich eine Person bei einer Gemeinde in Dänemark mit seinem Wohnsitz anmeldet, ist er oder sie krankenversichert und kann alle Leistungen einer Klinik kostenlos in Anspruch nehmen. Doch was ist mit Patienten ohne Wohnsitz oder ohne dauerhaften Aufenthalt in Dänemark? Wie funktioniert der Krankenhausaufenthalt für Ausländer in Dänemark?

Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung

Wer sich auf einer Reise in Dänemark befindet und in seiner oder ihrer Heimat nicht krankenversichert ist und weiterhin auch nicht über eine gesonderte, extra für die Reise abgeschlossene Auslandskrankenversicherung verfügt, wird im jeweiligen dänischen Krankenhaus zumindest als Notfall behandelt beziehungsweise soweit medizinisch betreut, bis er oder sie in der Lage ist, aus eigener Kraft die Heimreise anzutreten. Die dabei anfallenden Kosten trägt der dänische Staat. Weiterführende Behandlungen werden berechnet und in Rechnung gestellt. Ausgenommen davon sind staatenlose Personen sowie Flüchtlinge im Sinne des Artikel 1 der UN-Konvention von 1951 und 54. 

Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung

Vor einer Reise nach Dänemark eine Auslandskrankenversicherung anzuschließen, ist in jeder Hinsicht eine gute Idee, selbst wenn bereits eine Krankenversicherung inklusive Europäischer Krankenversichertenkarte besteht.

In der Regel werden die Kosten von Krankenhausaufenthalten in Dänemark direkt zwischen dem Versicherer und dem jeweilige dänischen Krankenhaus abgerechnet. Nicht jedoch Medikamente, die anteilig selbst zu bezahlen sind, zwischen 15 und 50 % des Preises eines Medikamentes, abhängig von dessen Klassifizierung. In der Regel erstattet die Auslandskrankenversicherung diese anteiligen Kosten rückwirkend gegen Vorlage der Rechnungen.

Deutsche Krankenkassen hingegen erstatten nur den Anteil, der auch in Deutschland der Bezuschussung entspricht. Da aber bestehen deutliche Diskrepanzen, da viele Medikamente, die in Deutschland rezeptfrei sind, in Dänemark nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezeptes ausgegeben werden und entsprechend teurer sind. Eine Auslandskrankenversicherung, die in der Regel nur wenige Euro kostet, kann sich für das Reiseziel Dänemark deshalb schon allein aufgrund der Medikamentenrechnung lohnen.

Ein weiterer, nicht unwichtiger Aspekt, ist die Möglichkeit der Auslandsrückholung im Krankheitsfall, den die Auslandskrankenversicherung meist als Option anbietet, die örtliche deutsche Krankenkasse jedoch nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Auch wenn die Dänen laut Umfrage zu den zufriedensten Menschen der Welt gehören, wer als Ausländer in einem dänischen Krankenhaus liegt, wird trotzdem oft das Gesundheitswesen seines Heimatlands bevorzugen.

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