In Finnland zum Arzt gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie funktioniert das Gesundheitssystem in Finnland?
  2. Einen Arzt ohne Auslandskrankenversicherung in Finnland aufsuchen
  3. Einen Arzt mit Auslandskrankenversicherung in Finnland aufsuchen

Es gilt als Land der Tausend Seen und das ist eine geradezu schamlose Untertreibung. Tatsächlich finden sich in Finnland über 187.000 Seen, wobei Wasserflächen unter 500 Quadratmeter Fläche noch nicht einmal mitgezählt sind. Deren Ufer würden aneinandergereiht 6 Mal um die Erde reichen. Das Land im Norden Europas ist fast so groß wie Deutschland, es beherbergt jedoch nur, 5,5 Millionen Einwohner, die fast ausnahmslos im Süden und im mittleren Teil Finnlands wohnen, wo die Temperaturen wesentlich erträglicher sind als jenseits des Polarkreises. Allerdings sind es auch im Süden Finnlands im Jahresdurchschnitt nur rund 5 Grad. Selbst in der Hauptstadt Helsinki, an der Südspitze des Landes gelegen, klettert das Thermometer nur in den Sommermonaten mit Mühe über die 10-Grad-Marke.

Kleine Insel in Finnland

Das kalte Klima hält die Finnen jedoch nicht ab, Spaß zu haben und zugleich eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt zu führen. Obwohl Finnland außer Holz keine nennenswerten Rohstoffe vorweisen kann, zählt es zu den reichsten Ländern Europas. Zu verdanken ist dies unter anderem dem massiven Ausbau der Hochschulbildung, was in der Folge dazu führte, dass Finnland zu einem weltweit bedeutenden Technologiestandort wurde.

Wie bereits erwähnt, kommt der Spaß dabei keineswegs zu kurz und hierbei lieben es die Finnen durchaus skurril oder auch seltsam. In der nördlichsten Großstadt Europas, im finnischen Oulu, findet jedes Jahr die Weltmeisterschaft für Luftgitarren statt. Ebenso ist in Oulu der Mieskuoro Huutajat beheimatet, ein Männerchor, der nicht singt, sondern möglichst laut schreit. Nicht zu vergessen die in Helsinki beheimateten Leningrad Cowboys, die zuerst nur in einem Film von Aki Kaurismäki bestanden, danach aber ein Eigenleben entwickelten. Die Finnen lieben es einfach ein bisschen schräg. Keineswegs schräg ist jedoch die Gesundheitsversorgung in Finnland.

Wie funktioniert das Gesundheitssystem in Finnland?

In Finnland gibt es keine Krankenkassen. Die medizinische Versorgung wird über Steuergelder finanziert. Daneben gibt es viele privat betriebene Arztpraxen und Kliniken. Das staatliche Gesundheitssystem sieht vor, dass jeder Finne/in bei einer Krankheit das für ihn oder sie zuständige Gesundheitszentrum aufsucht. Das staatliche Gesundheitswesen bietet keine freie Arztwahl. In Finnland sind aber auch die Arbeitgeber in die Gesundheitsvorsorge verpflichtend eingebunden. So müssen die Arbeitgeber Vorsorgeuntersuchungen ihrer Mitarbeiter bezahlen.

Jede Gemeinde in Finnland unterhält ein eigenes Gesundheitszentrum, in dem Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen tätig sind. Nach der Erstuntersuchung oder der Erstversorgung erfolgt vom Gesundheitszentrum aus bei Bedarf die Überweisung in eine Klinik oder zu einem weiteren Spezialisten. Wie in anderen EU-Ländern auch, zeigt sich im finnischen Gesundheitssystem ein eklatanter Personalmangel, allerdings fehlt es nicht an Ärzten, sondern an Krankenschwestern. In der Folge werden in Krankenhäusern geplante Operationen auf die lange Bank geschoben. Inzwischen hat ein finnisches Gericht die maximale Wartezeit auf 6 Monate begrenzt.

Einen Arzt ohne Auslandskrankenversicherung in Finnland aufsuchen

Als Mitglied der EU akzeptiert das finnische Gesundheitssystem die europäische Krankenversichertenkarte. Auch für den Gast in Finnland, der sich dem staatlichen Gesundheitswesen anvertraut, gilt zuerst der Besuch des nächstgelegenen Gesundheitszentrums als Pflicht. Es gibt ohnehin keine staatlichen Mediziner mit eigener staatlicher Praxis. Wohl aber Ärzte, die in beiden Sektoren tätig sind, nur darf in den privaten Praxen nicht über das staatliche System abgerechnet werden.

Die kostenlose oder mit nur geringen Zuzahlungen behaftete Behandlung in den Gesundheitszentren kann auch von Menschen ohne jegliche Krankenversicherung in Anspruch genommen werden. Allerdings sind die Wartezeiten oft extrem lang und meist erfolgt die Behandlung und auch die Diagnose durch die Krankenschwester. Tatsächlich sehen von 50 Menschen, die in ein finnisches Gesundheitszentrum kommen, nur etwa 20 tatsächlich einen Arzt.

Einen Arzt mit Auslandskrankenversicherung in Finnland aufsuchen

Wer sich als Reisende oder Reisender in Finnland aufhält und doch gerne im Falle einer Erkrankung oder nach einem Unfall einen Arzt konsultieren möchte, benötigt unbedingt eine Auslandskrankenversicherung. Damit ist der Zugang zum privaten Gesundheitssektor Finnlands geebnet. In jeder größeren Stadt Finnlands finden sich mehrere privat praktizierende Fachärzte jeder nur denkbaren Ausrichtung. Wer dabei auf Vorkasse verzichten möchte, sollte vor Abschluss der Auslandskrankenversicherung nachfragen, ob es finnische Vertragsärzte gibt.

Die Auslandskrankenversicherung sorgt nicht nur dafür, dass wirklich ein Arzt oder eine Ärztin die Behandlung durchführt, sondern verkürzt auch erheblich die Wartezeiten. Im schlimmsten Fall, etwa einer stationären Aufnahme in ein Krankenhaus, bietet die Auslandskrankenversicherung zudem noch die Übernahme der Kosten einer Auslandsrückholung.

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