In Kroatien ins Krankenhaus gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Das kroatische Gesundheitssystem bezüglich Krankenhäusern
  2. Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung
  3. Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung

Kroatien, das kleine Land an der Adria, das an seiner Nordwestspitze nur durch einen 20 Kilometer langen slowenischen Küstenstreifen vom italienischen Triest entfernt ist, machte nach der Auflösung Jugoslawiens zu Anfang der 1990er-Jahre turbulente Zeiten durch. Gut 30 Jahre danach ist es eines der beliebtesten Reiseländer der Welt. Immerhin belegte das Land mit 18,6 Millionen Besuchern im Jahr 2018 den 24. Platz von 202 Staaten dieser Erde und liegt damit noch vor anderen beliebten Destinationen wie Ägypten oder Marokko.

Dubrovnik

Dabei ist Kroatien nur etwas größer als die Schweiz und zählt gerade einmal 4,2 Millionen Einwohner. Doch das Land kann mit den Pfunden einer traumhaften Landschaft protzen, die zudem hervorragend intakt ist. Kaum ein anderes Land der EU kann es mit dem Umweltbewusstsein der Kroaten aufnehmen. Dem Natur- und auch dem Denkmalschutz wird Vorrang eingeräumt, selbst gegen massive wirtschaftliche Interessen, wobei Kroatien reich an Bodenschätzen ist. Es gibt hier unter anderem Erdöl, Erdgas, Kohle und Eisenerz.

Der größte Schatz des Landes ist jedoch seine Adriaküste mit traumhaften Stränden und 1246 vorgelagerten Inseln, wovon nur 47 bewohnt sind. Die Lage macht Kroatien zudem gerade für Mitteleuropäer leicht erreichbar. So dauert ein Flug von München nach Dubrovnik im Süden des Landes gerade einmal eineinhalb Stunden. Selbst mit dem Auto sind es beispielsweise von München nach Pula nur etwa sieben Stunden Fahrtzeit.

Kroatien zeigt sich darüber hinaus als immer beliebter werdendes Auswanderungsziel der Deutschen. Schätzungsweise 3000 bis 5000 Deutsche leben inzwischen dauerhaft in Kroatien, das mit angenehmem Klima sowie günstigen Lebenshaltungskosten lockt. Ob nun Bewohner, Tourist oder Geschäftsreisender, das Thema Krankheit oder Unfall begleitet den Menschen überallhin, auch nach Kroatien. Im schlimmsten Fall ist dann manchmal sogar ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Wir bieten Ihnen ausführliche Informationen, damit Sie wissen, was Sie dort erwartet.

Das kroatische Gesundheitssystem bezüglich Krankenhäusern

Gerechnet auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Krankenbetten pro 1000 Einwohner befindet sich Kroatien mit 5,6 Betten im internationalen Vergleich auf Platz 28 von 191 Staaten und innerhalb der EU auf Platz 13, somit noch vor Spanien, Luxemburg, Griechenland oder den Niederlanden.

Natürlich sagt die reine Anzahl der Betten in den Kliniken nicht wirklich etwas über die medizinischen Leistungen aus. In Kroatien leiden die staatlichen Krankenhäuser unter einer chronischen finanziellen Unterversorgung. In der EU geben nur Bulgarien und Rumänien noch weniger Geld pro Einwohner für das Gesundheitssystem aus. Zum Vergleich: in Deutschland sind es rund 4000 Euro pro Kopf und Jahr, in Kroatien etwa 800 Euro. So lassen sich viele Krankenhäuser bezüglich Bausubstanz und Ausstattung nicht mit Kliniken in Deutschland vergleichen.

Trotz dieser Diskrepanz zeigt der aktuelle Index der allgemeinen Lebenserwartung in Kroatien die Zahl von 78,15 Jahren. Im weltweiten Vergleich liegt Kroatien damit 5,5 Lebensjahre über dem Durchschnitt und nur 2,84 Jahre unter dem Durchschnitt von Deutschland.

Neben den staatlichen Krankenhäusern in Kroatien, die ihre Kosten mit der staatlichen Krankenkasse HZZO abrechnen, finden sich vor allem in der Hauptstadt Zagreb sowie in den großen Küstenstädten an der Adria zahlreiche Privatkliniken.

Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung

Wer bei einem Kroatienaufenthalt erkrankt oder verunfallt, sucht in der Regel zunächst einen Arzt oder die Notfallambulanz eines Krankenhauses auf. In beiden Fällen wird zuerst ein Mediziner konsultiert, der bei Bedarf die Überweisung für den Krankenhausaufenthalt ausstellt. Das ist eine der Vorgaben zur Aufnahme in eine staatliche Klinik in Kroatien. Ohne die Überweisung erfolgt keine Aufnahme. Dies gilt auch für Notfälle, etwa wenn die Ambulanz über die Notrufnummern 112 oder 194 gerufen wurde, beide Nummern sind möglich. Dabei erfolgt jedoch die medizinische Untersuchung in der Notfallaufnahme und damit automatisch auch die Überweisung, wenn der oder die untersuchende Medizinerin einen Krankenhausaufenthalt für notwendig erachtet.   

Inhaber einer europäischen Krankenversichertenkarte (EKVK), die ein Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung in der EU ist, können eine kostenlose medizinische Grundversorgung in staatlichen kroatischen Krankenhäusern in Anspruch nehmen. Es werden aber Zuzahlungsgebühren erhoben, die selbst zu entrichten sind:

  • Pro Krankenhaustag 100 HRK, umgerechnet etwa 13 Euro
  • Eine Verschreibung 10 HRK, etwa 1,30 Euro
  • Facharztbehandlung pro Konsultation 25 HRK, etwa 3,25 Euro
  • Facharztdiagnose über die Erstversorgung hinaus 50 HRK, etwa 6,50 Euro
  • Zur Verfügung gestellte orthopädische Hilfsmittel, beispielsweise Krücken, 50 HRK, etwa 6,50 Euro.

Inwieweit diese Zuzahlungen von deutschen Krankenkassen erstattet werden, hängt davon ab, ob und in welcher Höhe derartige Zuzahlungen auch im Leistungskatalog der deutschen Krankenkasse enthalten sind. Möglich ist zum Beispiel die Erstattung eines Teiles der Zuzahlungen für die Anzahl der Tage im kroatischen Krankenhaus, da die dortige Zuzahlung 13 Euro pro Tag beträgt, in Deutschland jedoch nur 10 Euro.

Die Leistungen über die EKVK beinhalten nur die medizinisch notwendige Versorgung, weitere Maßnahmen, wie etwa eine Verlegung in die Heimat, werden kostenmäßig von der EKVK nicht gedeckt. Menschen, die völlig ohne Versicherung in ein kroatisches Krankenhaus müssen, tragen alle Kosten selber. In lebensbedrohlichen Situationen erfolgen jedoch kostenlos lebensrettende Maßnahmen. Wer etwa mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert wird, muss nicht zuerst die Karte oder Bargeld vorzeigen.

Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Standards, die trotz aller Angleichungsversuche durch die EU bestehen, empfehlen deutsche, österreichische oder schweizerische Krankenkassen grundsätzlich den Abschluss einer zusätzlichen Auslandskrankenversicherung bei Reisen in andere EU-Länder. Für die mehrtägige Urlaubs- oder Geschäftsreise sind das Investitionen von 10 bis 20 Euro. Es ist auf jeden Fall gut angelegtes Geld, denn im Ernstfall deckt die Auslandskrankenversicherung nicht nur die medizinische Grundversorgung, sondern ebenso Extra-Leistungen wie Einzelzimmer und die Behandlung durch den leitenden Arzt in einer kroatischen Privatklinik. Der private medizinische Sektor in Kroatien zeigt sich personell wie technisch weit besser aufgestellt als die staatlichen Einrichtungen. Vor allem in den beliebten Küstenstädten des Landes finden sich Privatkliniken, die Deutsch und Englisch sprechende Ärzte vorweisen können und mit modernstem medizinischem Equipment arbeiten.

Üblicherweise tritt ein Patient, der die Leistungen einer kroatischen Privatklinik in Anspruch nimmt, in Vorkasse und lässt sich die Kosten nach der Rückkehr vom Versicherer erstatten. Je nachdem kann es aber auch sein, dass ein Versicherer bereits mit der einen oder anderen lokalen Privatklinik vertraglich verbunden ist und die Kosten direkt übernommen werden. Diese Information sollten Sie für Ihren Urlaubsort noch vor Antritt der Reise bei Ihrer Versicherung einholen. Eine weitere Variante ist die Kontaktaufnahme der Klinik mit der Versicherung des Patienten, um sich die Deckung der Behandlungskosten zusichern zu lassen. Die meisten Versicherungspolicen der Auslandskrankenversicherer enthalten zudem die Option der Auslandsrückholung, die es erlaubt, transportfähige Patienten zum Beispiel mittels Ambulanzjet in ein heimatnahes Krankenhaus in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu verlegen.

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