In Portugal ins Krankenhaus gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Portugals Gesundheitssystem, privat und staatlich
  2. Ein Klinikaufenthalt in Portugal ohne Auslandskrankenversicherung
  3. Ein Klinikaufenthalt in Portugal mit Auslandskrankenversicherung

Portugals Bewohner leben zu gut 90 % unmittelbar an oder zumindest nicht weit weg von der Atlantikküste. Alle bedeutenden Städte wie Lissabon, Porto, Braga, Coimbra oder Faro finden sich in einem Küstenstreifen von maximal 30 Kilometer Breite, angefangen bei Faro tief im Süden, bis hoch nach Braga im Norden des Landes.
Die Verkehrsinfrastruktur ist dementsprechend ebenso auf den Küstenbereich ausgerichtet. Das gebirgige Hinterland Portugals besitzt fraglos ebenso seine Reize, es kann aber mit der Schönheit der atlantischen Badestrände nicht konkurrieren.

Lissabon

Während Porto und Faro die unbestrittenen Hochburgen des Strandtourismus in Portugal darstellen, ist die Hauptstadt Lissabon ein gern gewähltes Ziel von Städtereisenden. Die Metropole an der Mündung des Tejo, des längsten Flusses der iberischen Halbinsel, besitzt einen wunderbaren Charme der fröhlichen Tristesse und bietet ihren Gästen mit zahlreichen Museen und einer herrlichen Altstadt viel zu sehen und auch zu hören. Immerhin kann Lissabon unter verschiedenen Namen auf fast 3000 Jahre wechselvoller Geschichte zurückblicken.

Portugal ist heute ein sehr sicheres Land, was durch den „Global Peace Index“ bestätigt wird. Seit dem Jahr 2007 erstellt ein internationales Gremium für 162 Länder der Erde einen jährlich veröffentlichten Index bezüglich deren Friedfertigkeit.

Nach Island und Neuseeland nimmt Portugal für das Jahr 2019 den dritten Platz ein, gefolgt von Österreich. Deutschland kam nur auf Platz 22. Doch selbst in einem so friedfertigen Land wie Portugal sind die dort lebenden Menschen wie auch die Gäste nicht vor Unfällen oder Krankheiten gefeit. Mitunter kann dies zur Folge haben, dass ein stationärer Aufenthalt in einer portugiesischen Klinik notwendig ist.

Portugals Gesundheitssystem, privat und staatlich

Das öffentliche oder staatliche Gesundheitssystem Portugals, genannt Serviço Nacional de Saúde (SNS), ist auf drei Säulen aufgebaut. Zum einen die Gesundheitszentren, die Centros de Saúde. Dann die öffentlichen Kliniken, Hospitales públicos, sowie örtliche Gesundheitsstationen, die Unidades locais de Saúde. Daneben gibt es die privaten Krankenhäuser, die unter der Bezeichnung Hospitales particulares zu finden sind.
Wie und wann durch einen oder eine Reisende eine dieser Einrichtungen in Anspruch genommen werden kann, hängt von der genauen Situation und dem Versicherungsstatus ab.

Wer zum Beispiel nicht akut erkrankt ist oder nach einem Unfall sofortige Hilfe benötigt, aber trotzdem in eine Klinik muss, weil eine Verschlechterung des Gesundheitszustands absehbar ist, wendet sich am besten an eine der Gesundheitszentren. Die dort tätigen Ärzte stellen eine Überweisung in die Klinik aus. Der oder die Patientin kann selbst entscheiden, ob eine Behandlung in einer privaten oder staatlichen Klinik erfolgen soll.

Handelt es sich wiederum um einen direkten Notfall, sind die Notaufnahmen der öffentlichen Kliniken der erste Anlaufpunkt. Nach der Erstversorgung kann entschieden werden, ob eine Verlegung in eine private Klinik infrage kommt.

Obwohl das staatliche Gesundheitssystem in Portugal gut ausgebaut ist, weist es Mängel auf. Das größte Problem ist eine mangelhafte personelle Ausstattung der öffentlichen Kliniken, was zu langen Wartezeiten bei geplanten Operationen führt. Auch die Abrechnung der Leistungen durch die Krankenkassen mit den Krankenhäusern und Ärzten sorgt durch extrem lange Wartezeiten, bis das Geld auf dem Konto ist, für viel Unmut. Deshalb verweigern nicht wenige Kliniken bei Touristen die Akzeptanz der Europäischen Versichertenkarte und bestehen auf Barzahlung. Im privaten Gesundheitsbereich wiederum werden gerade in Kliniken erbrachte Leistungen nach Rücksprache oft direkt mit dem Privat-Versicherer abgerechnet.  

Krankenhaus in Portugal

Ein Klinikaufenthalt in Portugal ohne Auslandskrankenversicherung

EU-Bürger, die über ihre heimische Krankenkasse versichert sind, können durch die damit verbundene Europäische Krankenversichertenkarte die gleichen Leistungen in Portugals staatlichen Krankenhäusern in Anspruch nehmen wie ein portugiesischer Staatsbürger.

Leider ist es trotzdem so, dass sie oft in Vorkasse treten müssen. Notfall-Erstversorgungen werden in Portugal unabhängig vom Versicherungsstatus immer durchgeführt. Spätestens bei der regulären Aufnahme in die Klinik wird jedoch die Frage nach der Bezahlung der Leistungen gestellt. Für Personen ohne jegliche Versicherung, weder EU-Versichertenkarte noch eine Auslandskrankenversicherung, bleibt es bei einer Minimalversorgung.

Ein Klinikaufenthalt in Portugal mit Auslandskrankenversicherung

Mit einer privaten Auslandskrankenversicherung öffnen sich für Ausländer in Portugal viele vorher verschlossene Türen. Nach der Notfallversorgung in einer Ambulanz der staatlichen Krankenhäuser kann die Verlegung in eine privat geführte Klinik erfolgen. In der Regel wird mit dem jeweiligen Versicherer im Heimatland Rücksprache bezüglich der Kostenübernahme gehalten, damit die durchaus hohen Kosten für Aufenthalt und medizinische Versorgung nicht im Voraus entrichtet werden müssen.

Allerdings geht es auch bei einer bestehenden Auslandskrankenversicherung nicht ganz ohne Bargeld oder Kreditkarte. Bestimmte Leistungen müssen direkt bezahlt werden, können aber gegen Vorlage der Rechnung wieder vom Versicherer zurückgeholt werden. Dafür besteht für Patienten mit einer Auslandskrankenversicherung, abhängig vom festgeschriebenen Leistungsangebot in der Police, meist ein Anspruch auf beispielsweise ein Einzelzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt der Klinik.

Sehr interessant ist auch die Option der Auslandsrückholung: die Verlegung von Portugal nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz mittels Ambulanzjet. Diese Leistung ist bei öffentlichen Krankenkassen praktisch ausgeschlossen. Was aber nutzen Portugals schöne Strände oder Lissabons melancholische Altstadt, wenn das reale Umfeld ein Krankenbett in einer Klinik ist, in der das Personal meist nur Portugiesisch spricht und Verwandte sowie Freunde weit weg sind.

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