In Russland ins Krankenhaus gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Das russische Gesundheitssystem
  2. Ein Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung in Russland
  3. Ein Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung in Russland

Es ist ein Land der Superlative und der Gegensätze. Nicht nur, dass Russland der größte Flächenstaat dieser Erde ist, das Land beherbergt mit der sibirischen Taiga weltweit den größten zusammenhängenden Wald, den tiefsten und ältesten See der Welt, den Baikalsee, und das größte Binnenmeer, das Kaspische Meer. Wer Russland von West nach Ost durchquert, muss gleich elfmal seine Uhr umstellen. In dem dünn besiedelten Land gibt es Gegenden, in denen der nächstgelegene Nachbar schon mal eine ganze Tagesreise entfernt wohnt, etwa in Teilen Sibiriens.

Landschaft in Russland

Auf der anderen Seite findet sich in Russland zum Beispiel die Megacity Moskau, mit insgesamt über 15 Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas, noch vor London oder Paris. Die Bodenschätze sind der Reichtum Russlands, so werden hier weltweit die meisten Diamanten aus dem Boden geschürft, doppelt so viele wie im Zweitplatzierten Botswana und fünfmal mehr als in Südafrika, das erst an siebter Stelle steht. Russland ist der drittgrößte Erdöl- und der zweitgrößte Erdgasproduzent dieser Erde. Gleichzeitig lebt etwa ein Drittel der russischen Bevölkerung in Armut und viele Bereiche des sozialen Lebens sind unterfinanziert, so auch das Gesundheitswesen. 

Das russische Gesundheitssystem

In Russland besteht das System der obligatorischen Krankenversicherung, die durch Arbeitgeberbeiträge und staatliche Zahlungen finanziert wird. Der Arbeitgeberanteil beträgt hierbei 5,1 % vom Gehalt jedes Arbeitnehmers. Wer nicht arbeitet, ist über den Staat versichert. Allerdings ist die staatliche Finanzierung der Gesundheitseinrichtungen, die unterteilt ist in Aufwendungen der Moskauer Zentralregierung und der Regionalregierungen, mehr als unzureichend. Das hat zur Folge, dass staatliche russische Krankenhäuser seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert sind und viele Leistungen, wenn es sie denn im jeweiligen Krankenhaus gibt, nur gegen Barzahlung erbracht werden.

Auf der anderen Seite hat sich in den Großstädten des Landes ein florierender privater Gesundheitssektor etabliert, in dem alle Leistungen mit modernster Medizintechnik und gut bezahltem Personal erbracht werden, natürlich gegen entsprechende Bezahlung. So findet sich eine extreme Diskrepanz zwischen den urbanen Regionen Russlands und der Versorgung der Landbevölkerung.

In Moskau etwa darf eine herbeigerufene Ambulanz maximal 20 Minuten benötigen, um vor Ort zu sein. In einer sibirischen Kleinstadt kann es viele Stunden dauern, bis ärztliche Hilfe kommt. Wer in Russland in ein Krankenhaus muss, um sich behandeln zu lassen, der darf auch in staatlichen Kliniken das Bargeld nicht vergessen und wer keines hat, wird sich mit einem absoluten Minimum an ärztlichen Leistungen zufriedengeben müssen.

Krankenhaus in Russland

Ein Krankenhausaufenthalt ohne Auslandskrankenversicherung in Russland

Reisende aus dem Ausland, ob nun aus touristischen oder geschäftlichen Gründen, müssen über eine Auslandskrankenversicherung verfügen. Es ist eine der obligatorischen Voraussetzungen, um für die Einreise nach Russland ein Visum zu erhalten. Mit einer Auslandskrankenversicherung können natürlich die bestens ausgerüsteten privaten Krankenhäuser in Anspruch genommen werden, vorausgesetzt, der oder die Reisende befindet sich in einer russischen Großstadt oder ist in der Lage, dorthin zu fahren.

Wer tatsächlich als Ausländer in Russland über keine Auslandskrankenversicherung verfügt, muss wirklich viel Bargeld in petto haben, denn auch wenn staatliche Krankenhäuser in ihren Notfallambulanzen jede Person kostenlos behandeln, ist die dortige Versorgung nur minimal und gerade darauf ausgelegt, den oder die Patientin am Leben zu erhalten, soweit es geht. Spätestens bei einer stationären Aufnahme wird die Frage nach der Kostendeckung gestellt.

Ein Krankenhausaufenthalt mit Auslandskrankenversicherung in Russland

Auch eine bestehende Auslandskrankenversicherung ist keineswegs ein Garant dafür, dass nicht doch bei einem Krankenhausaufenthalt in Vorleistung getreten werden muss. Der aktuelle Standard bei Privatkliniken in einer russischen Großstadt besteht darin, das Vorauszahlungen für stationäre Leistungen in Höhe von rund 2000 Dollar oder mehr zu erbringen sind, abhängig von der anstehenden Behandlung. Es liegt im ermessen der Klinik, ob sie sich bereit erklärt, die Abrechnung direkt mit der Versicherung durchzuführen. Vielleicht führt auch die jeweilige Versicherung eine Liste mit Krankenhäusern in Russland, die dazu bereit sind. Eine diesbezügliche Nachfrage vor Antritt der Reise ist ratsam. Dabei kann auch gleich eruiert werden, in welchen Kliniken des Reiseziels in Russland das medizinische Personal über Sprachkenntnisse in Englisch oder vielleicht sogar Deutsch verfügt. In Moskau oder St. Petersburg ist das sicher kein Problem, im Rest des Landes schon. Auch wenn englisch inzwischen an praktisch allen Schulen in Russland ein Lehrfach ist, so wird es selbst in Moskau ohne eigene Sprachkenntnisse oder Dolmetscher schwierig, erst recht bei einem Krankenhausaufenthalt, bei dem es um die eigene Gesundheit geht.

Sehr vorteilhaft ist es, wenn in der Auslandskrankenversicherung eine Auslandsrückholung mit eingeschlossen ist. Die macht es möglich, die Zeit der Gesundung in einem heimatnahen Krankenhaus in Deutschland, der Schweiz oder Österreich zu verbringen. Zwar fern vom russischen Riesenreich mit seiner Faszination, aber nahe bei Freunden und Verwandten.

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