In Russland zum Arzt gehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie sieht die Gesundheitsversorgung in Russland aus?
  2. Wie sieht ein Arztbesuch in Russland ohne Auslandskrankenversicherung aus?
  3. Wie sieht ein Arztbesuch in Russland mit Auslandskrankenversicherung aus?

Es ist das flächenmäßig größte Land der Erde: Von West nach Ost erstreckt sich das Riesenreich auf einer Länge von rund 9000 Kilometer. Ganz Europa sowie Australien würden zusammen in Russland hineinpassen. Dabei leben nur 144 Millionen Menschen im Kernland der ehemaligen Sowjetunion, gerade einmal acht Personen auf den Quadratkilometer.

Sankt Petersburg

Ein großer Teil der Bevölkerung konzentriert sich in den 15 Millionenstädten, davon allein in der Hauptstadt Moskau rund 15 Millionen Menschen. Das Land und seine Bevölkerung hat gerade in den letzten Jahrzehnten nach dem Fall der Mauer eine wechselvolle Geschichte erlebt, die sich auch auf das Gesundheitswesen auswirkte.

Wie sieht die Gesundheitsversorgung in Russland aus?

Offiziell hat jeder Russe Anspruch auf kostenlose Behandlung bei staatlich angestellten Ärzten oder staatlichen Kliniken des Landes. In der Realität ist das staatliche russische Gesundheitssystem jedoch mehr als marode. Die Regierung gibt für das Gesundheitswesen pro Jahr gerade einmal 3,7 % des BIP aus, das ist nicht einmal ein Drittel dessen, was Länder wie Deutschland oder Belgien investieren.

Dementsprechend ist jede zweite staatliche Klinik in Russland stark renovierungsbedürftig, die Geräteversorgung mangelhaft und das Personal, Ärzte und Pflegekräfte, flieht scharenweise in besser bezahlte Bereiche, überwiegend in die private Gesundheitsversorgung. Dementsprechend findet sich in allen größeren Städten eine gut aufgebaute private Infrastruktur mit medizinischen Leistungen. Auf den gigantischen Flächen der ländlichen Regionen hingegen sind Ärzte und funktionierende Krankenhäuser fast schon eine Rarität.

Wie sieht ein Arztbesuch in Russland ohne Auslandskrankenversicherung aus?

So wie jeder Russe automatisch krankenversichert ist, so müssen Touristen und Geschäftsreisende, die nach Russland reisen wollen, eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Ohne den Nachweis dieser Versicherung wird kein Visum erteilt. Es besteht kein beziehungsweise ein sehr eingeschränktes Sozialversicherungsabkommen zwischen der EU und Russland, weshalb die europäische Krankenversichertenkarte in Russland nicht akzeptiert wird.

Wer es trotzdem geschafft hat, sich in Russland ohne Krankenversicherung aufzuhalten, wird einen Arztbesuch aus eigener Tasche bezahlen müssen. Das gilt sowohl für Kassenärzte als auch für Privatärzte. Die Barzahlung ist im russischen Gesundheitswesen so oder so die gelebte Realität. Deshalb könnte auch der Gedanke, dass ein kassenärztlich zugelassener Arzt in Russland vielleicht eine preiswertere Alternative zu einem Privatarzt darstellt, ein Fehler sein.

Zum einen finden sich im staatlichen russischen Gesundheitssektor nur wenige Ärzte mit entsprechenden Sprachkenntnissen in Englisch oder Deutsch, zum anderen bleibt es dem Arzt überlassen, welchen Preis er für die Behandlung eines Nichtversicherten festlegt, das ist nach oben offen. Eine Vorauszahlung wird er oder sie auf jeden Fall verlangen und das können umgerechnet schon mal 500 Euro sein.

Wie sieht ein Arztbesuch in Russland mit Auslandskrankenversicherung aus?

Auch mit einer Auslandskrankenversicherung ist es wichtig, genügend Barmittel beim Arztbesuch dabei zu haben. Vielleicht hat aber auch die Versicherung, bei der die Auslandskrankenversicherung abgeschlossen wurde, mit verschiedenen Kliniken und Ärzten in Russland entsprechende Vereinbarungen geschlossen, dass diese direkt mit der Versicherung abrechnen. Denkbar ist dies durchaus, jedoch wohl nur in Großstädten wie Moskau oder St. Petersburg. Es lohnt sich auf jeden Fall, bei der Versicherung nachzufragen, ob eine Liste entsprechender medizinischer Einrichtungen besteht.

Ein anderes großes Problem ist die bereits angesprochene sprachliche Verständigung. Sicher nicht so sehr in den Zentren des Landes, in denen sich so mancher Arzt auf Touristen oder Geschäftsreisende aus der EU spezialisiert. Wer sich jedoch in die endlosen Weiten der Tundra oder Sibiriens begibt, steht ohne russische Sprachkenntnisse oder einen Dolmetscher an der Seite bei einem Arztbesuch auf verlorenem Posten. Immerhin dürfen Reisende in den ländlichen Regionen Russlands mit der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der dort lebenden Menschen rechnen. Das russische Wort für Arzt lautet Dokter (доктор), wobei das o langgezogen ausgesprochen wird.

Wurde der Arztbesuch erfolgreich absolviert, geht es nun darum, eventuell verschriebene Medikamente in der nächsten Apotheke zu erhalten, was wiederum in den Großstädten kein Problem ist, aber einmal mehr auf dem Lande. Übrigens sollten nach Russland Reisende beachten, das dort sehr strenge Gesetze bezüglich Betäubungsmittel und Psychopharmaka gelten. Herkömmliche Schmerzmittel wie Aspirin oder Paracetamol sind jedoch erlaubt.

Auch wenn bei der Reise nach Russland vielleicht nur eine Kleinigkeit den Arztbesuch notwendig macht, sollte in der Auslandskrankenversicherung die Option der Auslandsrückholung mit eingeschlossen sein. Wer weiß schon, wie sich etwas entwickelt oder sich noch auf der Reise ereignet. Mit der Auslandsrückholung ist die Verlegung in ein Krankenhaus in der Heimat gewährleistet, wenn es sein muss, auch aus den entlegensten Ecken des größten Landes der Erde.  

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